nur 10 000 Lire

eingeschickt am 1. Januar 1999 von ©Otto Cramer

Rom im März. Ich war mit Netzkarte und Rucksack für 8 Tage in Italien unterwegs. In der Nähe des Forums passierte es. Als ich an einer relativ einsamen Stelle die Treppe herunterkam, wurde ich unten plötzlich von einer Rotte von etwa einem Dutzend Zigeunermädchen im Alter zwischen 10 und 12 Jahren umringt. Sie hielten Pappschilder vor sich hin und begannen ihren flehenden Bettelgesang. Ich beschleunigte meine Schritte, denn ich wusste genau: Die würden sich nicht mit einem 1000-Lire-Schein abspeisen lassen! Immer zudringlicher werdend hängten sich einige der Mädchen an mich. Vergebens mühte ich mich, sie abzuschütteln. Zum Glück kam mir in meiner Bedrängnis ein Andenkenverkäufer zur Hilfe und verscheuchte die Bande. Besorgt fragte er mich, ob alles in Ordnung sei. Ich tastete nach meiner Brieftasche: Gottlob, die war noch an ihrem Platz! Ich schien noch einmal glimpflich davon gekommen zu sein. Übrigens hatte der Überfall keine halbe Minute gedauert. Doch halt! Warum standen die Reißverschlüsse von Anorak und Innentasche auf einmal offen? Ich prüfte genauer: Es fehlte doch etwas: Das Etui mit der Netzkarte war weg! Che casino! Innerhalb von Sekunden hatten die zwei Reißverschlüsse überwunden und ich hatte nichts gemerkt! Die Brieftasche hatten sie nur deswegen nicht erwischt, weil sie zu sperrig gewesen war. Was nun? Ich ging erst mal zu einem Parkplatz mit Touristenbussen. Hier war ich wenigstens vorerst vor weiteren Attacken sicher. Da bemerkte ich, dass die Zigeunerblase mir in sicherem Abstand gefolgt war. Und nicht nur das: Eines der größeren Mädchen winkte mir zu kommen. Ich ging zur Gruppe hin, nahm mein Italienisch zusammen und fragte: " Signorine, avete trovato qualcosa, vero?" So war es. Jetzt ging es nur noch um den Finderlohn. Meine Trumpfkarte: Für die "Finderinnen" war die auf meinen Namen ausgestellte Fahrkarte wertlos. Tatsächlich war ich er einzige "Käufer", der für sie in Frage kam. Dennoch: "100 000 Lire!" - "Siete completamente pazze!" - Schließlich einigten wir uns auf 10 000 Lire. Sie holte das Etui mit der Karte unter ihrem schmuddeligen Pullover hervor und ich händigte ihr den Geldschein aus. Immerhin: 10 000 Lire für ein Lehrstück in Fingerfertigkeit und für diese Geschichte: Una vera offerta!
Aber es kommt noch dicker!:

Banken - schlimmer als Taschendiebe!

Im Mai des folgenden Jahres besuchte ich mit meiner Frau das schöne städtschen Asolo im Veneto. In einer Bank löste ich einen Euroscheck über 300 000 Lire ein. Ich staunte nicht schlecht, als mir an der Kasse nur 285 000 Lire ausbezahlt wurden. 15 000 Lire behielt die Bank als Spesen! Als ich zu Hause die Kontoauszüge kontrollierte, bekam ich den zweiten Schlag: Fremdgebühren der Scheckzentrale DM 5,50! Das Einwechseln eines lumpigen Schecks hatten die Banken als Gelegenheit genutzt, etwa 22 DM von mir zu erbeuten! Wer mitgerechnet un die Tarife der Diebesbande und der Bank verglichen hat, wird meiner Beweisführung zustimmen: Geldwechselnde Banken in Italien - und sicher nicht nur dort - sind für Touristen mindestens doppelt so teuer und gefährlich wie die "Ladri di Roma"! Deshalb: Es lebe der Euro!

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