Die italienische Reise

von Peter Licht    © all rights reserved

„Wo fahren wir dieses Jahr hin?“ Fragte mich meine Frau. Selbstverständlich nach Italien, ins „schönste Land der Erde“, hörte ich mich sagen. „Bella Italia“, was fasziniert mich so an diesem Land? Ist es die helle warme Sonne die mich bereits im Schweizer Tessin begrüßt? Ist es das fundamentale Erlebnis in die verheißungsvolle Welt des Südens einzutreten? Oder vielleicht der Umstand, dass die Schwester anfangs der sechziger Jahre einem Italiener begegnete.

Meine erste Reise nach Italien erfolgte unter wahrlich abenteuerlichen Bedingungen. Ich war im zarten Alter von 18 Jahren und hatte gerade die Führerscheinprüfung abgelegt. Mit einem alten klapprigen Renault, mein Führerschein war gerade mal 4 Wochen alt, machte ich mich auf, meine Schwester zu besuchen, die inzwischen mit ihrem frisch vermählten italienischen Ehemann in einem Vorort von Turin wohnte. Ohne ausreichende Fahrpraxis, arglos und mit großer Erwartungshaltung fuhr ich durch die Schweizer Alpen, überquerte den Gotthard Pass, reiste durch das schöne Tessin, erreichte schließlich glücklich Chiasso und danach die italienische Grenze. Abgesehen davon, dass mich das Auto an der Grenze im Stich ließ, und mir ein freundlicher Mailänder beim Anschieben des Wagens behilflich war, verlief die Reise ohne große Komplikationen. Die Poebene lag vor mir, die mir das Wunder der Landschaftsverwandlung aufzeigte. Auf meiner Weiterfahrt begleitete mich die helle Sonne, malerische Orte links und rechts der Landstraße und die Farbenpracht des italienischen Frühlings. An die temperamentvollen mediterranen Autofahrer und ihre tollkühnen Überholmanöver hatte ich mich relativ schnell gewöhnt. Erschöpft aber glücklich kam ich schließlich an meinem Ziel an. Ich hatte mich nicht angekündigt und die Überraschung war mir geglückt.

Diese erste Reise in das Land jenseits der Alpen war ein einmaliges Erlebnis, unvergessen wie die erste Liebe. Vom Virus, „der Sehnsucht nach Italien“, wurden auch meine Ehefrau und die beiden Kinder angesteckt. Hinzu kommt noch der glückliche Umstand, dass wir italienische Verwandte haben. Jahr für Jahr verbringen wir nun unseren Urlaub jenseits der Alpengipfel. Es zog uns nach Venedig, Florenz und in andere verlockende Gefilde. Und ins göttliche Rom natürlich, wo seit einigen Jahren meine jüngste Tochter lebt, die sich damit ihren persönlichen Lebenstraum erfüllt hat.

Ciao
e tanti saluti

Peter

 
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