Nicoletta erzählt

von Nicoletta    © all rights reserved

Meine Liebe zu Italien hat vor langer langer Zeit angefangen . Um genau zu sein vor 23 Jahren ! Wie alt ich bin? : - ) 23 Jahre. Ich habe einen wunderbaren "Nonno" gehabt, der aus Italien kam. Ich war genau 4 Monate alt , konnte nicht laufen , aber ging schon auf eine lange Reise. Mein Gott, wenn ich zurück blicke, wie umständlich es damals noch war und wie viele Stunden man in Kauf nehmen musste, bis wir endlich am Ziel waren. WO ? Ein wunderbares typisches italienisches, kleines verschlafendes Nest, das sich Oderzo nennt in der Region Treviso /Venezia. Für mich der schönste Ort auf Erden :-) 

Jedes Jahr bin ich mit der gesamten Familia 'runter gefahren, um die Familie da unten zu besuchen. In all den Jahren ist meine Ungeduld nie verflogen bis ENDLICH der Grenzübergang zu Italien kam. Wir haben Rast gemacht, und ich hab einen tiefen Luftzug gemacht und damals schon zu meiner Mutter gesagt " Mom, wir sind zuhause ". Was war und immer noch ist , was den Zauber an Italien hält, kann ich nicht sagen. Aber ich weiß, dass ich da hingehöre , ich fühle so viele Emotionen in mir , ich bin ein ganz anderer Mensch , so eine unendliche Liebe zu dem Land zu den Leuten. Der Tag der Abreise war grauenhaft. Diesen Tag habe ich schon als Kind dafür genutzt, mich von allem zu verabschieden . Ich habe mich dann immer auf die Weinfelder gesetzt und in die Ferne geschaut und Jahr für Jahr ein leises Versprechen abgegeben. Mein Großvater hat mich viele Dinge im Leben gelehrt und eins davon ist, Versprechen zu halten. Vor 6 Jahren in den Sommerferien , auf grund meiner Lehre konnte ich nicht nach Italien. Das erste Jahr überhaupt, in dem ich nicht in meine Heimat konnte. Es war für mich schlimm, meiner Familie nur Grüße mitgeben zu können. Danach kamen meine zwei Kinder, private Probleme, die mich immer wieder dran hinderten, das was mir am liebsten war nicht wiedersehen zu dürfen. Aber auch wenn 6 Jahre ins Land gingen , hat sich nichts an meiner Liebe geändert und auch mein Versprechen hab' ich nie vergessen. 

Einem guten, neu dazu gewonnenen Freund erzählte ich oft von meinen glücklichsten Zeiten. Und als es mir so richtig schlecht ging , nahm er mich in den Arm und sagte: " Ich hab da was , was wohl das einzigste ist was Dich wieder zum Lachen bringt ". Ich und die Kinder sollten die Koffer packen für eine Woche , ich wusste, dass es sein Ernst ist und machte es . Am Tag der Abreise nahm er mich wieder in den Arm und sagte " He Du kleine Italienerin , bist Du bereit nach Hause zu fahren "? Mehr an Worten war nicht nötig , ich wusste was gemeint war :-) Nach so langer Zeit wieder in meine Heimat zu kommen . Das war das schönste Gefühl seid langem. Und wie früher als Kind war ich nervös und konnte es nicht abwarten. Als ob mein Freund es gewusst hätte, fuhr er in einem durch ohne müde zu werden. Und ich war so glücklich, meinen Kindern endlich mein Glück zeigen zu dürfen. Mein Ältester war gerade einen Tag aus Italien zurück, da er fuhr mit meiner Mutter 4 Wochen runter. Und als er erfuhr, dass es wieder nach Italien zu Nonna geht, die die Sommermonate unten verbrachte, freute er sich riesig. Und mein Ritual habe ich auch nicht verlernt, nur das es diesmal mein Freund war und nicht meine Mom, die sich anhören musste, dass ich wieder zu Hause bin. Das Stück bis nach Hause zog sich dann und irgendwann kam mir alles vertraut vor. 

Als ob alles auf mich gewartet hätte - es hatte sich nicht verändert. Wir fuhren durch unsere Stadt und wieder raus auf die Felder, wo wir wohnten und dann waren wir auch schon auf der Via Calstorta. Ich hätte alles und jeden begrüßen können . Meine Nonna wusste natürlich von nichts und es war für sie und den Rest der Familie eine große Überraschung. Die Woche war natürlich zu kurz, aber ich hab alles in mich aufgesogen, um alles noch sehr lange frisch zu behalten. In der Woche mich lernte mein Freund ganz anders kennen . Er meinte, dass er sich über mein Verhalten und meine Art nicht mehr wundert, denn er hat gemerkt, dass ich doch ganz und gar mit meiner Art typisch Italienisch bin. Na ein besseres Kompliment hab ich noch nie bekommen :-)) Der Tag der Abfahrt war wie immer ganz ganz schlimm und ich bat ihn auch, mir meine Zeit zu lassen. Wie gern hätte ich gesagt " Fahr alleine zurück , mich bekommt hier keiner mehr weg." Aber es gibt hier noch Verpflichtungen und die mussten noch erledigt werden. Die Luft zum Atmen blieb mir weg , als wir immer näher an die Grenze kamen. Mein Freund meinte " He, du tust so, als sei es das letzte Mal. " , bestimmt wird es nicht das letzte Mal sein, aber es dauert so lange bis ich wieder da sein darf. Wieder zuhause, und die Probleme kamen mir nicht mehr so schwer vor. Im Gegenteil, da war noch mein Versprechen. In den Jahren war es etwas verstaubt , eher so als sei es nur ein Traum .Aber nach diesem Erlebnis weiß ich, dass ich mir nie mehr etwas von tieferem Herzen erfüllen werde, als mein Versprechen. Oh je, mein Italienisch ist eingerostet,so dass ich jetzt in einem Kurs versuche es zu polieren. Ich hab hier noch paar Sachen (2-3 Jahren) zu erledigen, und wenn das getan ist , pack ich noch einmal meine Koffer und fahr mit meinen Kinder nach Italien in die Heimat. Aber dann gibt es keine Rückfahrt und kein Trauern um die Zeit, die man nicht da ist, wo man sich wirklich zuhause fühlt. Dann bin ich zuhause für immer und dann ist mein Glück perfekt :-)))))))))))
Sorry für den Roman und einen dicken Gruß an alle die jetzt in Italien sind , bald fahren wollen oder auf irgendeiner Weise damit zu tun haben :-))) Ciao Eure Nicoletta :-)))

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